Nov 272014
 

Am Borghorster Brack, Altengamme

Östliches Altengamme: Auch hier werden Ausgleichsflächen für Hamburgs Groß-Bauprojekte verordnet

Gut 13.000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche gibt es in der Freien und Hansestadt Hamburg, davon etwa die Hälfte in städtischem Besitz, an Landwirte verpachtet. Noch, denn diese Zahlen ändern sich rasch und das nicht zum Besseren, warnte Kröger, Präsident der Hamburgischen Landwirtschaftskammer, und am letzten Mittwoch Referent beim GVM-Treff in Susen Savignanos „Alter Vierländer Bäckerei“.

„Jedes Jahr gehen rund 100 Hektar landwirtschaftliche Fläche verloren, durch Wohnbebauung und durch Umwidmung zu Ausgleichsflächen, wenn die Stadt anderswo Flächen zubaut“, informierte Kröger seine Zuhörer. Dabei findet in der Freien und Hansestadt kein 1:1-Ausgleich statt, sondern Flächen, die zur Bebauung oder für Infrastrukturmaßnahmen verwendet werden, werden flächenmäßig 3- bis 4-fach ausgeglichen. „Der Ausgleich findet fast immer zu Lasten der Landwirtschaft statt“, so Kröger, „und das zum überwiegenden Teil in den Vier- und Marschlanden.“

Naturausgleich müsse sein, sagte Kröger, allerdings mit Augenmaß. Zum einen hatte er kein Verständnis für einen mehr als 1-fachen Flächenausgleich, zum anderen auch nicht dafür, dass der Ausgleich „Hamburg-intern“ geregelt werde, wo doch die meisten ausgeglichenen Projekte wie z. B. Hafenerweiterungen, auch vielen Bewohnern anderer Bundesländer nützten und z. B. Arbeitsplätze böten.

Mit Stirnrunzeln trug Kröger die Tatsache vor, dass die Stadt momentan dabei ist, im Landgebiet Flächen auf Vorrat aufzukaufen. So sei bereits ein Flickenteppich von städtischen Grundstücken im Landgebiet entstanden, was gelegentlich auch zu schon Konfliktpotential führe. „Es ist doch widersinnig, wenn da auf einer Fläche für den Naturschutz der Wasserstand erhöht wird und es dem Landwirt nebenan den Acker vernässt“, bemängelte Kröger den falschen Interessenausgleich.

Den Grundbesitzern riet Kröger, ihre Grundstücke, wenn überhaupt, nicht unter Wert zu veräußern. Teilweise für 2 bis 3 Euro wechsele da der Quadratmeter den Besitzer. Das sei unangemessen, schon bald dürften die Preise wesentlich höher liegen, war sich der Fachmann sicher.

Für die angedachte Einrichtung eines Biosphärenreservats im Elbtal und auf der Geest hatte Kröger überhaupt kein Verständnis. „Es fehlen uns dazu einfach ausreichend Flächen für die erforderliche Pflegezone. Wenn wir dem zustimmen würden, dann könnte die Landwirtschaft in Hamburg einpacken.“

Außerdem müsse die Stadt viel mehr Augenmerk auf die eigentliche Funktion des Landgebiets im Südosten legen: Die Vier- und Marschlande seien nach wie vor der „Garten Hamburgs“, mit hochwertigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Das Potential der regionalen Versorgung mit den Produkten der hiesigen Gartenbaubetriebe sei groß. Erste Projekte unter dem Motto „Aus der Region für die Region“ hätten begonnen, z. B. die Versorgung einer Schulmensa in Bergedorf. Dieses Konzept müsse weiter verfolgt werden, dann könne auch der Gartenbau wieder aufblühen. Gespräche dazu liefen bereits auf höchster politischer Ebene, unter anderem auch, um die inzwischen komplett entfallenen EU-Mittel zur Förderung der ländlichen Region abzufedern.

Restmittel aus dem EU-geförderten Leader-Projekt wird der Bezirk Bergedorf mit Hilfe des „Stadt-Land-Fluss“-Vereins darauf verwenden, die touristische Beschilderung des Landgebietes zu verbessern. Der Tourismus ist, neben der Landwirtschaft, ein Hauptwirtschaftsfaktor der Vier- und Marschlande, dem sich auch unser Verein GVM vordringlich widmet.

 27. November 2014

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